Die beiden Plakate von den Künstlern Anna Fröse und Lukas Bürgelt. Ausgedruckt können sie mithilfe der App Artivive mit dem Smartphone scannt werden.

Augmented Reality: Bauhaus Plakate

Marken- und Kommunikationsdesign Studierende von der AMD Akademie Mode & Design Düsseldorf beschäftigten sich in ihrem dritten Semester mit Schriften aus dem Bauhaus. Umgesetzt wurden die einzelnen Studentenprojekte mit Plakaten, die zusammen mit der modernen Technologie von Augmented Reality ganz neue Blickwinkel eröffnen. Mit der App Artivive werden die Plakate ganz einfach mit der Smartphone Kamera gescannt. Daraufhin startet automatisch eine Animation auf dem Bildschirm. Am besten einfach kurz reinschauen. 

Augmented Reality: Wie würde sich das Bauhaus heute gestalten?

Was die Künstler über ihre Arbeiten denken? Jeweils drei Fragen an Anna Fröse und Lukas Bürgelt von der AMD Düsseldorf. 

Warum hast du dich bei deinem Augmented Reality Plakat für den Bauhaus-Künstler Josef Albers entschieden? 

Anna Fröse: Wir hatten am Anfang des Semesters die Wahl zwischen vier Gruppen. Jede Gruppe beinhaltete drei Zitate, welche bereits fest standen und zu denen wir Plakate entwerfen sollten. Ich habe mich für die Gruppe mit drei Zitaten von Josef Albers entschieden. Das Zitat „Kunst ist nicht zum Anschauen – Kunst schaut uns an“ hat meine Aufmerksamkeit geweckt und mich inspiriert durch die neue Sichtweise auf Kunst und Design – wie auch die anderen beiden Zitate. Daraus entstand auch meine Gestaltungsidee, welche ich danach auf die anderen beiden Zitate angewandt habe. 

 

Wie war dein Prozess bis zu deinem fertigen Plakat?

Anna Fröse: Die Idee setzt sich daraus zusammen, einzelne Elemente der Gestaltung des Bauhauses zu übernehmen, daraus etwas Neues zu schaffen und vor allem den Inhalt der Zitate simpel und nachvollziehbar darzustellen. Der direkte Bezug der Gestaltungsidee zum Bauhaus ist unter anderem die Abbildung des Zitatgebers. Ich wusste von Anfang an, dass ich mit einem Realbild arbeiten möchte. Auf jedem Plakat befindet sich ein Porträt des Bauhausmeisters Josef Albers. Hinzu kommt, dass die Farbigkeit auf die Grundfarben blau, rot und gelb reduziert ist. Im Bauhaus wurden diese Farben größtenteils verwendet und charakterisieren die Designs aus der Zeit.

Im Bauhaus legte man auch Wert darauf, das Auge des Betrachters durch ein Design zu führen. Dies wird durch die Linienführung in den Plakaten aufgegriffen. Die Zitate sind in zwei verschiedene Textteile aufgeteilt. Ein Teil über dem Porträt und ein Teil darunter. Linien in den drei Grundfarben verbinden diese beiden Textteile und leiten somit den Betrachter durch das Plakat. Die Linienführung zwischen den beiden Textteilen, welche über die Porträts gesetzt sind, geben dabei den Inhalt des jeweiligen Zitats wieder.

Was bedeutet für dich Bauhaus? 

Anna Fröse: Bauhaus bedeutet für mich, Dinge mit anderen Augen zu betrachten – vor allem auch hinter allem einen Sinn zu erkennen. Reduktion in Bezug auf die Gestaltung heißt, das Wichtigste und Notwendigste rauszuholen. Letztendlich ist Bauhaus, diese Teile mit einer Raffinesse zusammenzusetzen, sodass sich daraus eine gewisse Schönheit und Vollkommenheit ergibt.

Warum hast du dich bei deinem Augmented Reality Plakat für Ludwig Mies van der Rohe, Farkas Molnár, Hannes Meyer entschieden? 

Lukas Bürgelt: Dazu muss ich sagen, dass wir die Zitate nicht selbst ausgesucht haben. Die Einteilung geschah bei der Aufteilung der Dreiergruppen. Auf der Basis der zugeteilten Zitate ging es schließlich darum, diese Wort  in Form einer individuellen Plakatreihe, in Anlehnung an die Gestaltungsprinzipien des Bauhaus, zu visualisieren.

Wie war dein Weg bis zum fertigen Augmented Reality Plakat? 

Lukas Bürgelt: Im Laufe der Projektarbeit haben wir zusammen im Kurs oder auch einzeln verschiedene Erkenntnisse über die Philosophie des Bauhauses, gewinnen können. Zusätzlich mussten die Zitatgeber sowie deren Eigenarten und Arbeiten berücksichtigt werden. Während meiner allgemeinen Recherche über die Geschichte des Bauhauses stieß ich auf Joseph Albers, der mit seiner Arbeit als Meister am Bauhaus zu den großen Errungenschaften der Einrichtung beigetragen hat. Inspiriert von Joseph Albers’ Werk „Structural Constellations“ (1954), das Skizzen von komplexen Gebilden darstellt, die mehrere Dimensionen widerspiegeln, habe ich irreale Räume aus den Zitaten von Ludwig Mies van der Rohe, Farkas Molnár und Hannes Meyer entstehen lassen.

Dabei stellen Worte der Bauhausmeister und Schüler die Mauern der Gebilde dar. Mithilfe der von Adobe neu aufgesetzten Bauhausschriften Xants und Alfarn, entsteht ein weiterer Bezug zur Gestaltungsweise des Bauhauses. Zusätzlich zum komplexen Textgebilde habe ich einen schwarz-weiß Kontrast gewählt. Dadurch wollte ich den Fokus auf den Raum legen und die Lesbarkeit der Zitate bestmöglich gewährleisten. Die Zitatgeber wurden schließlich farblich hervorgehoben.

So entstand meine Plakatreihe „Bauhaus in Motion“, die durch das Scannen der Augmented Reality App „Artivive“ zum Leben erweckt werden und dem Betrachter den Bauprozess in Form einer Animation aufzeigt. 

Für dich persönlich, was ist Bauhaus? 

Lukas Bürgelt: Das Bauhaus ist für mich ein wichtiger Bestandteil der Kunstgeschichte. Seine Philosophie zeigte neue Sichtweisen auf und repräsentiert gleichzeitig diese Prinzipien, die noch heute hoch angesehen sind. So gut wie alles was ich über Gestaltung gelernt habe, beruht in erster Linie auf dem Umgang des Bauhauses mit der Kunst und dem Handwerk.

Ich versuche mich stetig zu neuen Denkweisen über vermeintlich zu Ende gedachte Sachverhalte zu motivieren, ganz am Beispiel der Avantgarde-Bewegung, die das Bauhaus auslöste. 

Titelbild: Aus den Augmented Reality Plakaten von Lukas Bürgelt & Anna Fröse